Sonntag, 15. November 2015

Pray for Paris



Seit etwa fünf Wochen war ich im Besitz der Eintrittskarte für ein Konzert der Dead & Company Tournee in Columbus, Ohio. Was für ein Zufall, dass 20 Jahre nach dem Tod von Jerry Garcia sich Bill Kreutzmann, Mickey Hart und Bob Weir entschlossen haben als Dead and Company erneut auf Tournee zu gehen, und ich just zu diesem Zeitpunkt in den USA sein werde, ganz in der Nähe von einem der Spielorte.
Die Stadt Columbus in Ohio ist 203 Meilen von Detroit entfernt. Mein Navi hat dafür 3 ½ Stunden Fahrzeit prognostiziert. Um vorher ganz entspannt im gebuchten Motel einzuchecken und noch eine Kleinigkeit zu Abend zu essen, bin ich Freitag ausnahmsweise gegen 13:00 aus dem Büro raus, ab ins Auto und los. Fahren auf US-Überlandstraßen ist eigentlich recht entspannt. Außerhalb größerer Städte fahre ich fast ausschließlich mit dem Lenkrad, also der Tempomat-Steuerung am Lenkrad. Man muss sich als Deutscher kurz dran gewöhnen, auf allen Spuren überholt zu werden. Auf High- und Freeways – wobei mir bis heute der Unterschied noch nicht ganz klar ist – liegt die Maximalgeschwindigkeit in den Staaten Ohio, Illinois und Michigan bei 70 Meilen pro Stunde, was 112,6 km/h entspricht. In Deutschland kommt mir das gähnend langsam vor, hier ist es wirklich angenehm zu fahren und auch angemessen. Denn der Zustand vieler Straßen würde es gar nicht zulassen 180 km/h oder schneller zu fahren. Ich bin froh, mit einem SUV motorisiert zu sein, der über ausreichend Federwege verfügt. Fast alle Fahrer überschreiten die Höchstgeschwindigkeit um 5 bis 10 Meilen, auch die LKW, viele fahren so wie ich, mit Tempomat. Ärgerlich wird es allerdings wenn Baustellen nahen, so wie auf der I-75 nahe Toledo. Über mehrere Meilen wurde die Straße vermittels Pylonen von drei auf zwei auf eine Spur verjüngt, ohne irgendeine Aktivität von Bauarbeitern und ohne auch nur ersichtliche Vorbereitungen einer Baustelle. Dieser verkehrslogistische Schwachsinn hat mich zusätzlich über eine  Stunde Stopp and Go Fahren gekostet. Die Einfahrt nach Columbus am Freitag spätnachmittag war natürlich auch auf allen Straßen verstopft. Für die 203 Meilen habe ich schlussendlich insgesamt 5 ½ Stunden Fahrzeit gebraucht. 
Dann die Ankunft im Motel. Nach der Internet-Buchung war mir gar nicht bewusst, dass ich ein Motel und nicht im Hotel ein Zimmer reserviert habe. Glück gehabt: denn den Charme der einfachen, klassischen Motels, die man aus Filmen kennt, habe ich bisher noch vermisst. Durch eine Einfahrt gelangt man auf einen Innenhof, der ausschließlich zum Parken dient. Auf zwei Stockwerken ist der Innenhof umgeben von Zimmern, deren Türen direkt ins Freie führen.
Nach der Autofahrt war ich froh, die zwei Meilen zur Nationwide Arena laufen zu können. Denn, wie ich mittlerweile gelernt habe, finden Konzerte in den USA bestuhlt im Sitzen statt – in der Regel. Je näher ich der Arena kam, desto mehr Menschen strömten aus den Parkhäusern im näheren Umkreis Richtung Arena. 19:30 Uhr sollte das Konzert beginnen, ich kam um 19:10 Uhr an der Arena an. Allerdings nicht nur ich, vor den Eingangstüren standen geschätzte 5.000 weitere Gäste in einer Menschentraube mit locker 50 bis 75 Metern Durchmesser. Es hat über eine halbe Stunde Wartezeit gedauert, bis ich durch einen der Metalldetektoren unmittelbar hinter den Türen gehen durfte. Als ich mich dann nochmal umdrehte, war die Menschentraube hinter mir nicht wesentlich kleiner. Diesmal wurde ich nicht aufgefordert Schlüssel, Geldbeutel und Telefon auf eine kleine Anrichte neben dem Metalldetektoren zu legen. Die Security hat lediglich in mitgebrachte Taschen geschaut. Ich nehme an, die Detektoren waren ausgeschaltet oder auch nur Attrappen, 18.500 Menschen so seriös zu untersuchen, würde bei ausverkauften Haus fiel zu lange dauern.
Dann die Überraschung: während ich gegen 07:45 Uhr endlich in der Vorhalle der Arena war und viele Menschen noch Draußen in den Warteschlangen, strömte Musik von der Bühne aus in den Vorraum. Eine Vorband? Nein, Dead and Company haben relativ pünktlich angefangen, der erste Song wurde gespielt. Also schnell orientiert, wo mein Sitzplatz ist und  rein in den Veranstaltungsraum, der trotz striktem Rauchverbot recht vernebelt war. Hier saß auch keiner auf einem Stuhl. In allen Rängen standen bzw. wippten oder tanzten die Menschen vor den hochgeklappten Sitzflächen der Bestuhlung. Nachdem mir mein Block vom freundlichen Aufsichtspersonal durch Handzeichen gewiesen wurde, musste ich nur noch meine Stuhlreihe finden und die tanzenden drei Platznachbarn, links von meinem Sitzplatz, kurz um Einhalt und leichte Rückenlage bitten, um an meinen Sitzplatz zu kommen, der nur als Ablage für die Jacke diente. Nachdem ich dort angekommen war, begrüßte mich mein – ich würde sagen etwa gleichaltriger –  Platznachbar zur Linken mit Handschlag und seiner linken Hand an meinem rechten Oberarm. Rechts von mir waren noch zwei Plätze frei. Etwa 15 Minuten später kam dann auch von rechts ein Pärchen, dass ich etwa 15 bis 20 Jahre älter schätze als ich es bin. Der Mann zur Rechten begrüßte bei seiner Ankunft mich und  auch noch den Platznachbar links von mir mit mehrfach geschütteltem Handschlag. Er war rein äußerlich ein eher unauffälliger Zeitgenosse, der allerdings jeden Song und jede Strophe mitsingen konnte.
Im Vorhinein zur Tournee gab es geteilte Meinungen, ob der junge John Mayer die richtige Besetzung für den Part sei, den früher Jerry Garcia einnahm, womit er viele der Soli zu übernehmen hat. In einem Interview kurz vor der Tournee äußerte John Mayer, dass er sich seit Jahresbeginn auf die ab 31.10. beginnende Tournee spieltechnisch vorbereitet. Dabei koste es ihn große Konzentration so locker und manchmal unscharf zu klingen, wie es die Musik erfordert. Und in der Tat, während der 68-jährige Bob Weir beim Gitarrenspiel locker swingt, ist John Mayer phasenweise deutlich konzentrierter. Schloss man die Augen, war es allerdings extrem stimmig, harmonisch und pointiert gespielt. Ich war erstaunt von der Alterszusammensetzung des Publikums. Erwartet hatte ich viele Zuhörer, die altermäßig als meine Eltern durchgehen könnten. Aber neben dieser Gruppe, Zeitgenossen der Musiker, die natürlich vertreten war, waren eigentlich auch alle Altersgruppen vor Ort. Interessant für mich, dass sich auch nochso Jugendliche und in den 20er Jahren Steckende mit der Musik identifizieren können. Diese Musik kann dem Zuhörer fast schon spirituelle Momente vermitteln. So sieht man mitunter vollbärtige ältere Herren, vom Typus Erdkunde-Lehrer kurz vor der Pensionierung, die man ansonsten als eher emotionslosere Zuhörer einordnen würde, die die ganze Zeit mit ausladenden Armbewegungen tanzen, Pirouetten drehen und zu jedem Zeitpunkt absolut textsicher sind. Die Musik live in einer solchen Atmosphäre zu hören, hat nochmal eine ganz andere Kraft als die reine Medienwiedergabe.
Mein etwas älterer Platznachbar zu Rechten war teilweise emotional von der Musik so berührt, dass ihm nach manchen Solo-Parts oder rhytmischen Übergängen nichts anderes übrig blieb, als tremolierendes Indianerschrei von sich zu geben. Drei oder viermal hat er mich auch mit seinem linken Arm umarmt und vermutlich etwas Begeistertes über die Musik ins Ohr gerufen. Nehme ich zumindest an, denn ehrlich gesagt, habe ich – auch wenn ich es wirklich versucht habe – kein Wort von ihm verstanden. Als Reaktion habe ich mit dem ausgestreckten Daumen gewippt, was er dann noch mit einem Klapps auf die Schulter quittiert hat.
Insgesamt hat sich der Aufwand für dieses Konzert auf jeden Fall gelohnt. Knapp 4 Stunden super Musik in toller Atmosphäre.  Ein Ereignis mit bleibender Erinnerung.
Was ich während des Konzerts (am 13.11.2015) nicht verstanden habe, war ein Symbol das immer mal wieder auf die große Leinwand hinter der Bühne projiziert wurde. Es handelte sich ein Peace-Zeichen, wobei das Kreisinnere aus einem Eifelturm bestand, wie mit grober Wachsmalkreide schnell skizziert, mit der Überschrift  Pray for Paris. Als ich nach dem Konzert gegen 01:00 Nachts in mein Motelzimmer kam und nochmal durch die Fernsehsender gescrollt bin, habe ich dann von CNN erfahren, wem Dead and Company das Konzert in Columbus gewidmet haben. Mir wurde auch dann klar, dass Touch of grey als Zugabe ausgewählt wurde, da die letzten Zeilen des Stück folgendermaßen lauten "We will survive, we will survive".
Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, dass im Radio in der Regel keine Nahrichten gesendet werden. Auf der Hinfahrt habe ich durchgehend 5 ½ Stunden Radio gehört. In Michigan wechsle ich immer mal wieder zwischen drei programmierten Sendern und in Ohio habe ich mehrere Neue gesucht, gefunden und gehört. Aber es kamen keine Nachrichten oder Infos über die Ereignisse von Paris am 13.11.2015 im Radio. 
Zum Abschluss noch die Set-List für die Dead-Heads unter den Lesern, wobei insbesondere das zweite Set mich äußerst begeistert hat, und ein kleiner atmosphärischer Eindruck von I know You Rider.
 

Set I
Mississippi Half-Step Uptown Toodeloo
Brown Eyed Women
Tennessee Jed
Little Red Rooster
Bird Song
Standing On The Moon
Cumberland Blues

Set II
Playin’ In The Band
China Cat
I Know You Rider
Eyes Of The World
Space
Drums
The Wheel
Black Peter
Playin’ In The Band (reprise)
Good Lovin’
E:Touch of Grey 

Donnerstag, 12. November 2015

land of free home of the brave



Dieses Satzfragment ist aus der Nationalhymne der USA zitiert. Für mich ist es eine Beschreibung einer gewissen Geisteshaltung, die in unterschiedlichen Diskussionen, z.B. über Politik oder auch im Verhalten oder in Ritualen hierzulande immer Mal wieder zu entdecken ist. Dieser Stolz auf Freiheit, gerne auch mal angeführt im Gegensatz zur assoziierten Situation in Russland, erlebe ich als breiten Mainstream; und trotzdem entdeckt man dann doch manchmal wieder Situationen, die fast schon eine Parodie dazu sind.
Im Veranstaltungskalender letzten Sonntag in Detroit war morgens um 10:00 Uhr eine Vietnam Vetrerans Parade angekündigt. Kundgebung am Hart Plaza und die Parade dann entlang der Jefferson Avenue. Sonntags morgens hatte ich dann dieses Event schon wieder vergessen, als ich den Entschluss fasst, bei dem herrlichen Sonnenschein im November doch noch Laufen zu gehen. Der Hart Plaza im Financial District von Detroit liegt mitten auf meiner Strecke. Gegenüber dem Hart Plaza, also auf der anderen Seite der Jefferson Ave. beginnt die Woodward Ave. In der noblen Adresse, Woordward One, residiert die schon seit über 150 Jahren existierende Fifth Third Bank. Aus knapp 200 Metern Entfernung des Hart Plazas wurde ich durch eine gewisse Unruhe in der sonst absoluten Sonntag-Morgen-Stille im Finanzdistrict an die Ankündigung der Parade erinnert. Je weiter ich mich der unmittelbar bevorstehenden Veranstaltung näherte, nahm ich mehr und mehr eine Musik wahr, die so gar nicht zur Geisteshaltung der Vietnam Veterans Parade passte. Als ich dann kurz vor der Woodward One war, konnte ich die Außenlautsprecher der Bank sehen, quasi auf der gegenüberliegenden Straßenseite, auf der der Paradeaufbau in den letzten Zügen war. Aus den Lautsprechern (der traditionellen Fifth Third Bank) tönte die Stimme Jerry Garcia und den Grateful Dead und die spielten gerade Sugaree. Grateful Dead aus den Lautsprechern der Dirigenten der Finanzmärkte zu hören, ist schon paradox; den Aufbau der Veterans Parade damait zu begleiten schon fast wieder eine Persiflage. Ob diese Situation dem Zufall geschuldet war oder sich ein nicht sichtbarer DJ lächelnd die Hände reibt, muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben.
Auf dem Rückweg meiner Strecke war dann die Parade im vollen Gange. Erwartet hatte ich, dass Menschenmengen die Jefferson Ave. im Stillen Gedenken runter marschieren und damit die Bevölkerung an die Verteidigung der Freiheitswerte in Vietnam erinnern. Das war nicht der Fall. Marschmusik von einer Militärkapelle wurde nur am Hart Plaza gespielt. Auf der Jefferson Ave. fand über mehrere Kilometer im Schritttempo ein endlos langer Autokorso statt. Die Fahrzeuge waren mit Fahnen, an Spiegeln oder Fenstern befestig, geschmückt und hupten die ganze Zeit. Viele Vietnam Veteranen waren auch an einem gemeinsamen Hobby zu erkennen. Motorradfahren bzw. in speziellen Motorrad Clubs von und für Veteranen organisiert. Interessant für mich waren, neben der Vielzahl älterer, übergewichtiger  Herren mit über viele Jahre kultivierten Bärten, gekleidet in Lederjacken über die ärmellose Jeansjacken nicht mehr zu schließen waren und teilweise vollständig mit vergilbten Aufnähern, versehen waren, die  Motorräder. In Reih und Glied standen hunderte von Harley Davidson, alle mit dieser für mich merkwürdigen metallic-farbenen Vollverkleidung. Alle Maschinen waren ausgestattet mit diesen, in Form einer Raute, stromlinienförmigen Koffern, ebenfalls in derselben Metalliclackierung ausgeführt wie der Rest der Verkleidung. Die Modell-Typologie dieser Motorräder hat mich nie sonderlich interessiert, jetzt weiß ich allerdings, für wen diese Serien aus der Firma in Milwaukee am Lake Michigan produziert werden.
Gestern, am 11.11.2015, war USA-weit Veterans Day. Bis dahin nahm ich an, dass dieser Tag zu Ehren der Überlebenden aus dem Vietnamkrieg zelebriert wird. Aber nein, weit gefehlt, es werden alle, die an Kriegseinsätzen teilgenommen haben oder sich auch (nur) durch Teilnahme am Militärdienst dem möglichen Kriegseinsatz zur Verfügung gestellt haben, geehrt.  So bekamen gestern auch in unserem Unternehmen alle diejenigen, die sich dem Militärdienst in ihrer Biografie zur Verfügung gestellt haben, ein Dankesschreiben aus der Personalabteilung.
Ich glaube bisher saßen dreimal  in meiner unmittelbaren Nähe in Restaurants durch Uniform erkennbare Militärangehörige. Bei jedem Mal kam mindestens ein älterer Herr auf die jungen Soldaten zu, erkundigte sich, wo sie stationiert sind, schüttelte ernsthaft die Hände, sprach jedem einen Dank aus und wünschte alles Gute. Eine Berufsgruppe hier, die hohe gesellschaftliche Anerkennung erfährt.
Für den  Abend des Veterans Day hatte ich mir eigentlich schon Tage vorher eine kulturelle Veranstaltung im Eventkalender von Detroit markiert. Im Museum of Contemporary Art sollte ein Dokumentarfilm gezeigt werden mit dem Titel: Industrial music of the urban decy. Am Tag vor dem Vetrerans Day sprach mich allerdings ein Arbeitskollege an, ob ich ihn nicht Morgen am frühen Abend zu einem Sport begleiten möchte, der mir bisher noch außerst fremd war – hier allerdings recht populär ist. Ich sagte natürlich zu.
Ehrlich gesagt hatte ich keine Vorstellung, wie in den USA eine „Gun Ranch“ von Innen aussieht. Die Industriehalle besteht aus dem Schießbereich und einem großzügigen Vorraum. Man füllt ein einseitiges Formular aus, mit persönlichen Angaben ,z.B. wer zu informieren ist im Case of Emergency; mit Kürzeln muss man bestätigen, dass man die Regeln zur Kenntnis genommen hat, z.B. dürfen Kinder nur in Aufsicht der Eltern oder anderer volljähriger Aufsichtspersonen schießen. Neben den mitgebrachten Waffen, gibt es auch allerhand Schusswaffen, unterschiedlicher Intensität, gegen Gebühr zu leihen. Zum Abschluss der kurzen Anmeldeprozedur muss man sich dann noch für eins von sieben Postern entscheiden, die als Zielscheibe fungieren. Ich war sehr beruhigt zu sehen, dass dem Gender-Aspekt hier Rechnung getragen wird und bei den Darstellungen auf den Zielscheiben Diskriminierung der Geschlechter aktiv vermieden wird. Anbei ein kleiner spontaner fotographischer Eindruck des Anmelde-Tresens.


 
Im Hauptraum, in dem auch einige Zeitgenossen vollautomatische Gewehre mit ohrenbetäubendem Lärm bedienten, konnte man sich kaum verständigen, da man sowieso Gehörschutz tragen muss. Ich bin mir nicht sicher, ob es Schall- oder Druckwellen waren (oder ist das in diesem Fall eigentlich das Gleiche?), die noch aus knapp 20 Meter Entfernung vom Schützen, der mit beiden Fäusten sein automatisches Gewehr gehalten und abgefeuert hatte, den gesamten Körper der Anwesenden zum Zittern brachte.
Nach dem der Arbeitskollege etwas an seiner Tasche rumgenestelt hatte, winkte er mich mit dem Zeigefinger heran, deutete auf die am Abschusstresen vor ihm geladene 8mm Beretta und zeigte auf mich. Ohne jegliche weitere Instruktion nahm ich die Waffe in beide Hände, so wie man es aus Filmen kennt. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, das erste Mal im Leben eine schussbereite Waffe in der Hand zu halten - ohne weitere Instruktion - und ganz kurz darüber nachzudenken, zu welchem Zweck dieses metallene Instrument mit ausgefeilter Ingenieurskunst eigentlich entwickelt wurde und jetzt Einsatzbereit ist. Ich war nach dem ersten Schuss doch überrascht, wie intensiv sich der Rückschlag anfühlt und dass die leere Patronenhülse nach dem Abschuss mitunter auf den eigenen Kopf fliegt. In der Zeit, in der ich das Magazin leer geschossen habe, hat der Kollege seinen Smith & Wesson Revolver mit 0.357 Großkaliber Patronen beladen und mir in die Hand gedrückt. Durch den Gehörschutz konnte man sich kaum verständigen, ich interpretierte seinen Satz als be careful, it’s stronger. Und in der Tat, das hätte ich nicht erwartet. Rückschlag und vor allem auch Lautstärke und Druckwellen beim ersten Schuss haben dazu geführt, dass ich intuitiv, unmittelbar vor jedem weiteren Abzug die Augen kurz zukneifen musste. Beim letzten der sechs Schüsse habe ich bewusst versucht, die Augen aufzuhalten, mein neu konditionierter Reflex hat das allerdings nicht zugelassen. Nach dieser Erfahrung darf man sehr große und berechtigte Zweifel anmelden, an dem, was die Revolverhelden in dem ein oder anderen Western an Schießkunst zu bieten haben. Die 0.22 Sig Sauer, die weltweit gerne bei Polizei und Militär zum Einsatz kommt, hat sich danach wie eine Karnevalspistole aus Kindertagen angefühlt.
Durch Beobachtung der anderen Grüppchen, ausschließlich Männer zu dem Zeitpunkt meiner Anwesenheit, konnte man erkennen, das über non-verbale Kommunikation zu einem nicht ganz unwichtigen Thema, bedenkt man, dass  im Jahr 2014 in den USA auf 100 Einwohner 112,6 Schusswaffen in Zivilbesitz kommen, doch scheinbar große Verständigung und Gemeinsinn möglich ist.

Sonntag, 8. November 2015

Lebensqualität mal auf dem Prüfstand



Mittlerweile bin ich ziemlich genau fünf Wochen in den USA. Diesen Zeitraum halte ich für ausreichend, um gefestigte, individuelle Urteile über bestimmte Lebensqualitäten bzw. besser: gefestigte Vorureile über Lebensqualitäten zu überprüfen und auch möglicherweise zu revidieren. Ich möchte jetzt auf zwei ganz wesentliche Parameter von Lebensqualität eingehen, nämlich Bier und Kaffee!
Als Deutsche halten wir gemeinhin viel von der Qualität unseres Bieres. Insbesondere unsere Pils-Biere sind doch einmalig in der Welt. Gerne präsentieren oder geben wir mit der Qualität unserer Biere an, wenn Besuch aus fremden Ländern zugegen ist, wird auch gerne mal auf die Historie deutscher Braukunst seit dem Mittelalter verwiesen. Als unser Deutsches Reinheitsgebot für die Brauzunft verabschiedet wurde, 1516, da hat gerade 24 Jahre zuvor Christoph Columbus den Kontinent Amerika entdeckt, ohne dass es ihm bewusst war… Ordentliches französisches Baguette gibt es schließlich auch nur Frankreich. Mich wundert es in diesem Zusammenhang immer wieder und ich frage mich auch woran es wirklich liegt, dass beispielsweise in Saarbrücken kein deutscher Bäcker Baguett in der Qualität herstellen kann, wie es jeder Zunftbruder 5 km weiter hinter der Grenze täglich macht. Mein bisheriges, holzschnittartiges Bild von Bier in den USA stellte sich bisher so dar, als dünne Brühe, die von wenigen Weltkonzernen täglich in vielen Millionen Hektolitern produziert wird und von Millionen Geschmaksignoranten täglich konsumiert wird.
Tatsächlich nehme ich es hier ganz anders war. In Supermärkten, auch den kleinen, findet man teilweise 60 bis 80 verschiedene Biersorten. Da Bier hier in der Regel im 6-er-Gebinde verkauft wird, braucht es auch nicht so viel Platz im Regal oder Kühlfach, wie in Deutschland in Kisten. Regalweise wird Bier aus kleinen, lokalen Brauereien angeboten. Die lokalen Brauereien aus Michigan haben teilweise 10 bis 15 verschiedene Biersorten im Angebot. Und jede Sorte schmeckt anders, teilweise nur in bestimmten Jahreszeiten angeboten. Die Etiketten sind meist bunter und werden mit einer großen Bandbreite an Abbildungen, Comicfiguren, Fotos bis zu Pin-ups etc. versehen – das ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man aus einer Kultur kommt, in der in der Regel nur Schriftzug des Produzenten und vielleicht noch ein Wappen auf dem Etikett zu finden ist. Lässt man sich davon nicht beirren, erwartet einen ein großer Kosmos an Geschmacksvielfalt. Ich habe mir übrigens gerade eine Flasche Best-Brown-Ale von Bell’s Brewery in Michigan geöffnet. Hier ein Link zu diesem saisonalen Produkt sowie weiteren Infos zur Brauerei als Beispiel unabhängiger Braukunst in den USA – für den Interessierten: www.bellsbeer.com
Der Leser dieser Zeilen braucht keine Sorge zu haben, dass weitere Recherchearbeit Missbrauch im Konsum verursachen könnte. An jedem Abend wird brav nur eine Flasche geöffnet – in der Regel.

Kaffee ist in den USA ein weiteres großes Thema. Kaffee wird viel konsumiert, vor allem, im Vergleich zu Deutschland, wird er nicht zu Hause gebrüht und getrunken, sondern außerhäusig erworben und unterwegs getrunken. Dass Starbucks aus den USA kommt, war für mich kein Geheimnis. Der deutschen Coffee-Shop-Kultur hat Starbucks seit einigen Jahren Vorschub geleistet. Der Verbreitungsgrad, den Starbucks hier genießt, mit eigenen Coffee-Shops und als Systemprodukt in Schnellrestaurants und Frühstücks-Kaffee hat mich aber dann doch überrascht. Die Präsenz von Starbucks-Bohnen im Supermarktregal ist ebenfalls dominant. Starbucks vertreibt in Supermärkten auch ein reichhaltiges Angebot an aromatisierten Bohnen. Warum dem Endverbraucher im Supermarkt 10-kg Dosen geröstete Bohnen angeboten werden, kann ich nicht verstehen.
So, und dass muss jetzt einmal sein: Ich kann es nicht mehr sehen und lesen, wenn jegliche Restaurants mit großen metallenen Schildern werben: We are proud to serve Starbucks. Seit doch bitte auf irgendwas Anderes stolz. Aber Kaffee von Starbucks ist nichts Besonderes. Vor allem, wenn er von unwissenden Laien in Starbucks-Läden viel zu heiss zubereitet wird. Der Geschmack ist flach und bleich und passt zu den Pappbechern, in denen er serviert wird. Milch wird in der Regel auch viel zu heiß, wie Bauschaum aufgeschäumt und ist für Cappucino eigentlich nicht mehr zu gebrauchen. Und dafür werden einem dann teilweise 4$ abgeknöpft. Auch in unserem Büro werden Bohnen von Starbucks verwendet, die ich näher in Augenschein nehmen konnte. Pech schwarz und öhlig geröstet. Bei den von mir hier gekauften, gemahlenen Kaffeesorten ist der Mahlgrad deutlich gröber als ich es zu Hause verwende, auch für die Zubereitung in der Pressstempelkanne.
So war es längst überfällig für mich mit Kaffeekultur fernab des Mainstreams zu beschäftigen. Hier in Detroit gibt es natürlich mehrere unabhängige Coffee-Shops. Mich hat es heute Nachmittag zielgerichtet in die Roasting Plant ( www.roastingplant.com ) geführt. Nach zwei Läden in New York wurde 2013 eine Roasting Plant in Detroit eröffnet. Der Ladengründer war vermutlich von der Ausbildung ein Ingenieur, der großen Spaß und pneumatischen Steuerungen hatte. Im Zentrum des Ladens befindet sich ein - ich würde sagen 2 kg - Hiessluft-Röster aus Glas, der über eine pneumatische Steuerung mit Rohbohnen-Mischungen aus Glaszylindern beschickt wird und nach dem Röstvorgang das Endprodukt in Glaszylinder leitet. Damit nicht genug. Über weitere durchsichtige Kunststoffrohrleitungen werden die fertigen Bohnen zur Kaffeemaschine hinter dem Kaffeetresen gesaugt und dort gemahlen und extrahiert. Auch die Kaffehäutchen, die beim Röstvorgang von den Bohnen getrennt werden, werden dauerhaft über einen durchsichtigen Zylinder abgesaugt. Die ganzen pneumatischen Vorgänge und Bohnen, die durch die Rohre sausen, machen Geräusche, keine unganehmen, aber an die man sich erstmal gewöhnen muss. Um sich ein Bild von der imposanten an Orgelpfeifen erinnernde Verrohrung der Anlage zu machen, anbei ein Foto:


Ich habe bei der Bestellung gleichzeitig einen single-Espresso und einen kleinen Cappuccino bestellt. Die Qualität beider Getränke würde ich als ok bezeichnen und Abstand nehmen von den überschwänglichen Äußerungen der Nutzer, die sich auf den dafür vorgesehenen Plattformen äußern. Der Espresso hatte eine leichte Beerennote, die durch das schokoladig-rauchige Aroma durchkommt. Beim Cappucino war die Konsistenz des Milchschaums zwar in Ordnung, allerdings viel zu heiß. Die Barista, wenn man sie überhaupt so nennen will – konnte keinen Einfluss auf die Zubereitung nehmen. Der Kaffee wurde im Vollautomaten auf Knopfdruck zubereitet, der Milchschaum kam aus einer Art Zapfhahn, wie man ihn hier vom Fassbier kennt. Auch hier wurden mir beide Getränke in jeweils einem Pappbecher serviert – und zwar in gleicher Größe. Gerade beim Espresso ist das doch sehr befremdlich. Hier wäre ein Semi-Automat mit Siebträger und Porzellantassen doch wünschenswert. Interessant, dass Espresso als Single, Double, Triple und auch Quadruple angeboten wird. Hätte ich wochentags mehr Zeit, würde ich mich gerne einmal morgens ab sieben Uhr an die Theke setzen und gespannt darauf warten, welche Zeitgenossen sich morgens mit einem vierfachen Espresso frisch machen.  Schön ist die Transparenz auf der Beschilderung der gerösteten Bohnen. Neben der Bohnenzusammenstellung und Herkunft der Bohnen finden sich Beschreibungen der erwartbaren Nuancen für Körper und Aroma. Auch der jeweilige Röstgrad wird angegeben: entweder City Roast oder Full City Roast – für die in Röstverfahren Inaugurierten ;-). Preislich beginnt das Pfund bei 20 $ und endet bei sortenreinem Blue Mountain aus Jamaika für 77 $ das Pfund. Auch hier würde ich gerne mal schauen, ob und welche Kunden bereit sind 144 $ fürs Kilo gerösteten Kaffee auszugeben. So beeindurckend die Anlage auch ist, zwei Nachteile hat sie. Die Entgasungszeit, die frisch gerösteter Kaffee braucht, fehlt, bzw. ist nicht steuerbar. Hier kommt er zu schnell zur Mühle, vor allem wenn die Nachfrage auf Kundenseite steigt. Spätestens, wenn man selber mit frischgeröstetem Kaffee zu Gange war, stellt sich zudem die Frage, wie die aufwendige Verrohrung gereinigt wird. Ohne Säuberung fangen meine Dosen recht schnell an ranzig zu riechen. Also insgesamt: mehr Schein als Sein. Die Suche nach unabhängigem, handwerklich sauberen Kaffee wird weitergehen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten...

Sonntag, 1. November 2015

Mit Life Savers nach Chicago



Nahtlos kann ich hier mal an meinen letzten Beitrag anknüpfen. Nachdem ich letztes Wochenende Bekanntschaft mit den Life Savers Wint-O-Green Produkt machen durfte, kam mir am Montag im Büro die Idee, die vorhandene Packung für einen kleinen sensorisch-kulturellen Test einzusetzen.
Dienstag vormittags habe ich also die Packung im Büro die gezückt und einer amerikanischen Zellennachbarin und einem weiteren Zellennachbar jeweils ein Wint-O-Green offeriert. Unter Zelle verstehe ich hier einen durch drei ca. 1,5 m hohe Raumteiler, U-Förmig aufgestellten Raum. (Um den Nachbarn zu sehen, muss man sich also Stuhl erheben) Beide haben dankbar angenommen und sofort das Produkt im Mund verschwinden lassen. Während ich auf den Moment des Ekelns meiner Zellennachbarn unruhig gewartet habe, lächelte mich die Kollegin an und sagt nur „Oh, my favorite flavour!“. Auf meine erstaunte Rückfrage, ob denn das Bitzeln auf der Zunge sie nicht irritiere, kam lapidar die Antwort, dass ja genau das das Tolle an dem Produkt ist. Während dieser Konversation begab sich ein vor etwa zwei Jahren aus Deutschland immigrierter Kollege zu uns. Auch er hat dankbar aus meiner Tüte ein Produkt, das er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte - entnommen, geöffnet und im Mund verschwinden lassen. Es dauerte keine drei Sekunden, bis er mit gezieltem Griff den Papierkorb unter meiner Arbeitsfläche hervor gezogen und das Produkt aus seinem Mund mit Hilfe der Gravitationskraft in den Papierkorb befördert hatte. Damit wäre für mich der Beweis erstmal erbracht, dass es sich nicht um eine individuelle Geschmackverirrung bei mir handelt.
Am Donnerstag und Freitag hat eine Veranstaltung unseres Konzerns in der Nähe des Chicagoer Flughafens stattgefunden. Liebe Leser, ratet mal, was im Veranstaltungssaal auf einem Tisch neben einem Bündel Kugelschreiber und Blöcken mit Hotelwerbung stand? Richtig: Eine Keramikschale voll mit Life Safers. Ich habe mich sofort drüber gebeugt und die Geschmacksrichtung Wint-O-Green identifiziert. Scheint hier wohl doch ein Mainstream-Geschmack zu sein. An Wint-O-Green scheiden sich die Geister der Kulturen.
Freitagnachmittag habe ich mich dann spontan ins Taxi unserer Brasilianischen Kollegen eingeladen und bin so kostenfrei vor die Haustür meines Hotels in Chicago Downtwon gekommen. Bei dem verbleibenden Tageslicht wurde dann noch schnell die nähere Umgebung erkundet. Der nächste Morgen hat leider mit strömendem Regen gestartet und leider auch bis zum späten Nachmittag angedauert. Fürs Frühstück habe ich mir ein von Kunden sehr positiv rezensiertes Frühstückslokal in einer Entfernung von fünf Minuten Fußweg rausgesucht. Dort angekommen habe ich realisiert, dass es zwar richtig war, eine Regenjacke einzupacken, aber mit meinen Lederschuhen beide Füße jetzt schon an den Zehen nass waren. Das war nicht angenehm, geriet aber für eine halbe Stunde in Vergessenheit, da ich von einem Super Frühstück abgelenkt wurde: Tour de France wurde das Gericht genannt: drei verschiedene Scheiben French Toast (mein Favorit war aus Süßkartoffelmehl gebacken)  mit drei Toppings und drei Fruchtsorten. Ich würde sagen: Armer-Ritter - at its best! Dann schnell zurück ins Hotel und die Socken gewechselt, um mich nicht zu erkälten. Alternativ hatte ich nur noch meine Laufschuhe dabei, die sich für trockene Füße überhaupt nicht anbieten, weshalb ich entschieden habe, erstmal auf dem Bett liegen zu bleiben und Fernsehen zu schauen. Eine tolle Sendung, die vormittags zu schauen ist,  trägt den Titel Ink Master. Hier müssen drei Aspiranten nach bestimmten Vorgaben (vermeintlich) Freiwillige vor laufender Kamera tätowieren, in gesetzten Zeitfenstern, z.B. 30 Stunden für den gesamten Rücken. Eine Jury bewertet dann fachkundig die vollbrachten Werke und krönt einen Sieger. Unter anderem wurde ich auch überrascht, dass ich zwei komplette Spielfilme hintereinander schauen konnte, ohne eine einzige Werbeunterbrechung. Scheinbar ist das doch möglich in den USA. Ich muss in Detroit in meinem Apartment unbedingt diesen Sender finden. Insgesamt finde ich es ja bemerkenswert hier, dass man in den USA vor Allem gewarnt wird, z.B. wenn eine Rolltreppe endet, wird man von einer Stimme aus dem Off daran erinnert, dass man bei Unachtsamkeit hier schnell hinfallen und sich verletzten kann. Andererseits laufen mittags um 12:00 Uhr im Fernsehen Horror- und Kriegsfilme, die bei uns, wenn überhaupt, dann nach 22:00 aus Gründen des Jugendschutzes gezeigt würden.
Mit dieser Fernsehdröhnung kam ich mir in meinem Hotelzimmer wie in einer Gefängniszelle vor, ich habe es bereut, nicht mit dem Auto die viereinhalb Stunden von Detroit nach Chicago gefahren zu sein. Mit dem Auto, wäre ich auch im Regen mobil und könnte irgendwo hinfahren, z.B. den Lake Michigan rauf oder runter. Zum Glück hat gegen 17:00 Uhr der Regen endlich aufgehört und ich habe noch bis 22:00 Uhr zu Fuß Chicago erkundet – welche Wohltat mich endlich wieder bewegen zu können.
Am Sonntag wurde hier auf Winterzeit umgestellt, eine Woche nach der deutschen Zeitumstellung. Mit der einen Stunde gefühltem Zeitgewinn und wolkenfreiem Himmel bin ich auf Erkundungstour gestartet. In der fußläufigen Umgebung meines Hotels befindet sich ein Planetarium, ein Aquarium mehrere Museen und auch zwei Aussichtsplattformen, aus dem 103. Stock eines Wolkenkratzers. Mag sein, dass ich jetzt als knauserig bezeichnet werde, aber ich war nicht bereit Eintrittspreise von 30 bis 40$ pro Programmpunkt zu bezahlen. Auch der Chicago-Ausweis, mit dem man 4 Attraktionen besuchen kann für nur 96$ (im Angebot!), finde ich für einen Tag recht zu teuer. Gegönnt habe ich mir dann aber doch eine Architektur-Bootsfahrt auf dem Chicago River. Das hat sich gelohnt. Architektur ist sowieso der bleibenden Eindruck  dieser zwei Tage bei mir. Es ist wirklich beeindruck, wie viele Stilrichtungen, von Gotik über Klassizismus bis Jugendstil und Art-deco an den Wolkenkratzern zu entdecken sind – ohne das man den Eindruck hat, es wäre artifiziell oder aufgesetzt. Insgesamt ist in Downtown alles sehr gepflegt, vor allem auch die Grünanlagen, wie z.B. der schöne Millennium-Park, so etwas wünsche ich mir auch in deutschen Großstädten. In Grünanlagen wird zeitgenössische Kunst so integriert, dass es wirklich anfassabar ist und viele Menschen anzieht und begeistert, wie z.B. die Brücke von Frank Gehry oder die Cloud Gate. Anbei übrigens mal hier ein Foto der Cloud Gate als Suchbild: Wer findet den Fotografen?


 So, und zum Abschluss gibt es noch ein Architektur-Eindruck der Stadt vom Touri-Boot aus geschossen. In der Mitte sticht übrigens einer der TRUMP-Tower heraus.




Leider habe ich gerade festgestellt, dass der Fernsehsender HBO, auf dem ich am Samstag tagsüber zwei Spielfilme ohne Werbeunterbrechung schauen konnte, nur mit einem extra zu bezahlenden Abonnement zu beziehen ist. Wäre doch zu schön gewesen...
Bin mal gespannt, ob das Hilton in Chicago mir das noch extra in  Rechnung stellt, nach meinem Quick-Check-out, bei dem ich also nur die Zimmerkarte in den dafür vorgesehenen Briefkasten geschmissen habe…